{"id":40,"date":"2019-11-21T14:50:48","date_gmt":"2019-11-21T14:50:48","guid":{"rendered":"http:\/\/testing.eventthinking.org\/blog\/?p=40"},"modified":"2021-08-27T07:53:32","modified_gmt":"2021-08-27T07:53:32","slug":"event-design-im-hier-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eventthinking.org\/blog\/?p=40","title":{"rendered":"Event-Design im Hier &#038; Jetzt"},"content":{"rendered":"\n<h2><strong>Und weshalb man nicht unbedingt spirituell sein muss, um Veranstaltungen auf diese Art und Weise zu gestalten. <\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wenn\neinem jemand \u201eCarpe Diem\u201c oder \u201eLebe im Jetzt\u201c zuruft, dann hat die Person\nmeist ein Faible f\u00fcr Spiritualit\u00e4t und ein bewusstes Leben. Mancher denkt sich\njetzt, das ist sehr sch\u00f6n f\u00fcr diese Person. Fraglich ist nur, was das mit dem\nkonzipieren von Events zu tun hat. Ich meine, mehr als man zun\u00e4chst meint.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/testing.eventthinking.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/924px-Marina_Abramovic\u0301_-_The_Artist_Is_Present_-_Viennale_2012_cropped.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-33\" width=\"271\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/eventthinking.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/924px-Marina_Abramovic\u0301_-_The_Artist_Is_Present_-_Viennale_2012_cropped.jpg 924w, https:\/\/eventthinking.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/924px-Marina_Abramovic\u0301_-_The_Artist_Is_Present_-_Viennale_2012_cropped-300x292.jpg 300w, https:\/\/eventthinking.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/924px-Marina_Abramovic\u0301_-_The_Artist_Is_Present_-_Viennale_2012_cropped-768x748.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 271px) 100vw, 271px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">F\u00fcr mich pers\u00f6nlich gab es einen entscheidenden Event, in diesem Fall eine Kunst-Performance, die mich gelehrt hat, wieso das Hier &amp; Jetzt f\u00fcr Veranstaltungen so immens wichtig ist. Bezeichnenderweise tr\u00e4gt die Performance den Titel \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"The Artist is Present (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=U6Qj__s8mNU\" target=\"_blank\">The Artist is Present<\/a>\u201c. Diese Performance hatte eine Dauer von ganzen drei Monaten und fand im Jahr 2010 im Museum of Modern Art in New York statt. Marina Abramovi\u0107 hat oberfl\u00e4chlich betrachtet nichts anderes gemacht, als auf einem Stuhl zu sitzen und die Person, die sich ihr gegen\u00fcbersetzte, anzuschauen. Das war alles. Es gab keinerlei Variation im Ablauf. Und das ganze drei Monate lang. Gegen Ende haben die Zuschauer vor dem Museum \u00fcbernachtet, um sich eine Chance auf 15 Minuten auf dem Stuhl gegen\u00fcber von Abramovi\u0107 zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Das Interessante an dieser stilistisch \u00e4u\u00dferst reduzierten Arbeit er\u00f6ffnet sich, wenn man sie versucht zu analysieren. F\u00fcr mich ist offensichtlich, dass sich der Erfolg ausnahmslos auf die Konzentration und die Pr\u00e4senz der K\u00fcnstlerin st\u00fctzt. Sie erkl\u00e4rt in der <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"gleichnamigen Dokumentation, die zwei Jahre sp\u00e4ter erschienen ist (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YcmcEZxdlv4\" target=\"_blank\">gleichnamigen Dokumentation, die zwei Jahre sp\u00e4ter erschienen ist<\/a>: <em>\u201e\u2026Und wegen dieses Bewusstseinszustandes f\u00fchlen die Leute, dass etwas anders ist. In der Performance geht es nur um den Bewusstseinszustand. Die Zuschauer sind wie ein Hund. Sie sp\u00fcren Unsicherheit und Angst, sie sp\u00fcren, dass du nicht da bist. Es geht also darum, den Performer und das Publikum in denselben Bewusstseinszustand im Hier und Jetzt zu bringen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Diese\nBeeinflussung des Bewusstseinszustands ist nat\u00fcrlich das verbindende Element,\ndas die Performance-Kunst und Events gemeinsam haben. Aber auch sonstige\nvergleichbare Settings, wie beispielsweise Theaterauff\u00fchrungen oder Konzerte\nbeeinflussen den Bewusstseinszustand der Rezipienten. Und immer holen sie die\nLeute ins Hier &amp; Jetzt, wenn sie als gelungen gelten. Ist es da nicht von\nbesonderer Wichtigkeit, sich mit dem Element des Hier &amp; Jetzt n\u00e4her zu\nbesch\u00e4ftigen? <\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Die gro\u00dfe Frage ist:\nWie schaffen die das?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<h4><strong>1. Beispiel: Etwas entwickelt sich unvorhersehbar<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Bei narrativen Events, die eine Geschichte erz\u00e4hlen \u2013 also meist bei Theater- und Filmauff\u00fchrungen \u2013 wird der Zuschauer vor allen Dingen dadurch ins Hier &amp; Jetzt geholt, wenn sich etwas f\u00fcr ihn <strong>unvorhersehbar entwickelt<\/strong>. Die Umkehrung verdeutlicht das: Nichts ist langweiliger als ein Film, dessen Entwicklung man vorhersieht und der dann genauso abl\u00e4uft. Denn dieser Film erz\u00e4hlt einem nichts Neues. Ist einem die Geschichte vorher auch nicht bekannt, so tr\u00e4gt man zumindest die Vermutung in sich. Und somit ist ein \u201eangeregt sein\u201c oder auch ein Lernmoment durch eine neue Sichtweise nicht mehr gegeben. <\/p>\n\n\n\n<h4><strong>2. Beispiel: Anreize schaffen, dass der K\u00f6rper reagiert <\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Als\nzweites Beispiel k\u00f6nnte man ganz generell Reaktionen des K\u00f6rpers auf eine\nWahrnehmung als Indiz identifizieren, dass sich ein\/e Zuschauer\/in im Hier\n&amp; Jetzt befindet. Muss man beispielsweise w\u00e4hrend einer Kom\u00f6die lachen,\ndann kann man mit seinen Gedanken gar nicht woanders sein als bei der aktuellen\nkomischen Situation. Aber auch wenn man den sprichw\u00f6rtlichen G\u00e4nsehautmoment\nerlebt, sich also durch starke Emotionen die kleinen H\u00e4rchen an den Armen\naufstellen, ist man mit ziemlicher Sicherheit pr\u00e4sent. Es gilt also Anreize zu\nschaffen, die den K\u00f6rper reagieren lassen und dadurch ihn \u2013 und somit auch den\nGeist \u2013 ins Hier &amp; Jetzt holen. Die richtige Musik verhilft \u00fcbrigens zu so\nmanchem G\u00e4nsehautmoment.<\/p>\n\n\n\n<h4><strong>3. Beispiel: Universelle psychologische Grundbed\u00fcrfnisse werden befriedigt<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Das dritte Beispiel halte ich pers\u00f6nlich f\u00fcr am interessantesten. Denn wie bei der Erf\u00fcllung von physiologischen Grundbed\u00fcrfnissen wie Essen und Trinken sollte es auch zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit werden, dass man bei Events die psychologischen Grundbed\u00fcrfnisse befriedigt. Wussten Sie, dass es die gibt? Die amerikanischen Psychologen Deci und Ryan definieren in ihrer <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Selbstbestimmungstheorie (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Selbstbestimmungstheorie\" target=\"_blank\">Selbstbestimmungstheorie<\/a> drei Begehren, auf die die Psyche immer wieder Appetit hat. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Es\nsind<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Das Bed\u00fcrfnis nach Kompetenz und Wirksamkeit<\/li><li>Das Bed\u00fcrfnis nach Autonomie und Selbstbestimmung<\/li><li>Das Bed\u00fcrfnis nach sozialer Zugeh\u00f6rigkeit<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Bedenkt\nman diese psychologischen Grundbed\u00fcrfnisse bei der Konzeption eines Events, ist\nes ziemlich sicher, dass die Teilnehmer das Gef\u00fchl haben, dass es f\u00fcr sie um\netwas geht. Dass es wichtig ist, dass <em>genau<\/em>\nsie <em>genau<\/em> jetzt <em>genau<\/em> hier sind. Und dann sind sie automatisch auch im Hier &amp;\nJetzt. <\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Wie kann das konkret\nauf einem Business-Event aussehen?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Das\n<strong>Bed\u00fcrfnis nach Kompetenz und Wirksamkeit<\/strong>\nkann mittels interaktiver Elemente gestillt werden. Damit die Kompetenz und die\nWirksamkeit aber auch tats\u00e4chlich angesprochen werden, ist es n\u00f6tig, dass die\nInteraktion zum einen auf Augenh\u00f6he stattfindet und die erarbeiteten Ergebnisse\nzum anderen auch eine Auswirkung haben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Dem\n<strong>Bed\u00fcrfnis nach Autonomie und\nSelbstbestimmung<\/strong> wird sehr gut durch Wahlm\u00f6glichkeiten in der Agenda\nRechnung getragen. Gerade \u201eagile\u201c Formate wie BarCamps, Open Spaces oder auch\nFedEx Days geben den Teilnehmern die M\u00f6glichkeit, autonom Inhalte zu w\u00e4hlen\noder sich sogar eigenst\u00e4ndig einzubringen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">F\u00fcr das <strong>Bed\u00fcrfnis nach sozialer Zugeh\u00f6rigkeit <\/strong>sorgen oft Kleinigkeiten. Das k\u00f6nnen gemeinsame Sprach-Formeln \u2013 wie ein gelungenes Veranstaltungsmotto \u2013 sein, gemeinsam gelebte Rituale oder auch ein allgemein anerkanntes Ziel. Immer ist es ein Zeichen, dass man sich als Anh\u00e4nger des gleichen sozialen Milieus begreift und dort auch Best\u00e4tigung erh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Nun eine abschlie\u00dfende Frage: Sind Sie noch da? Bei mir im Hier &amp; Jetzt? Oder sind Sie in Gedanken schon bei der Konzeption Ihres n\u00e4chsten Events?<\/p>\n\n\n\n<p><br><br><br><em>Das Copyright der Fotos dieser Seite von oben nach unten liegt bei Twenty20 und By Manfred Werner \/ Tsui &#8211; File:Marina Abramovi\u0107 &#8211; The Artist Is Present &#8211; Viennale 2012.jpg (this version cropped by SlimVirgin), CC BY-SA 3.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=40349686<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und weshalb man nicht unbedingt spirituell sein muss, um Veranstaltungen auf diese Art und Weise zu gestalten. Wenn einem jemand \u201eCarpe Diem\u201c oder \u201eLebe im Jetzt\u201c zuruft, dann hat die Person meist ein Faible f\u00fcr Spiritualit\u00e4t und ein bewusstes Leben. Mancher denkt sich jetzt, das ist sehr sch\u00f6n f\u00fcr diese Person. 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